Das Team SoziaLaWi war zu Besuch im Cottbuser Stadtteil Schmellwitz. Auch wenn der Bedarf an altersgerechtem Wohnraum und pflegerischer Versorgung hier nicht ganz so gravierend ist wie in manchen ländlichen Regionen, zeigt sich: Soziale Landwirtschaft bzw. „Green Care“ kann hier einen wertvollen Beitrag leisten, insbesondere, um Begegnungen und positive Lernerfahrungen zwischen den Generationen zu fördern.
Ein Stadtteil im Wandel
Schmellwitz wurde in den 1980er-Anjahren erbaut und zählte zu Spitzenzeiten rund 14.000 bis 15.000 Einwohner*innen, bevor es nach der Wende als Rückbaugebiet deklariert wurde. Heute wird wieder aktiv in den Stadtteil investiert. Die Struktur ist lebendig und vielfältig: In Schmellwitz leben sowohl viele Rentner*innen als auch junge Familien mit über 30 verschiedenen Nationalitäten. Da das Bauland einst einem Sumpfgebiet abgewonnen wurde, ist der Stadtteil noch heute von einem beschaulichen Fließ und mehreren Kleingartenanlagen umgeben.
Hürden abbauen, Potenziale nutzen
Das Zusammenleben ist jedoch nicht immer konfliktfrei. Oft hindern schon die Übernahmekosten für eine Kleingartenparzelle Familien mit Migrationsgeschichte daran, Zugang zu den Gärten zu finden. Das baut unbewusst Barrieren für die Begegnung zwischen den Generationen auf.
Dabei steckt genau hier riesiges Potenzial: Durch gemeinsames Gärtnern, Kochen und kreatives Gestalten lassen sich Kulturen und Generationen zusammenbringen und gleichzeitig eine nachhaltige Lebensmittelversorgung fördern. Punktuell gibt es dafür bereits zwei Initiativen:
Eine Schule hat in der Vergangenheit schon mit einem Kleingartenverein kooperiert.
Im örtlichen Kultur- und Begegnungszentrum gibt es eine kleine Koch-AG.
Hier setzen wir an: Ältere Menschen, die gerne Zeit mit Kindern verbringen, könnten beispielsweise Lehrkräfte bei einer Garten-AG entlasten. So entstehen Lernformate außerhalb des Klassenzimmers – mitten in der Natur und ganz nach dem Prinzip „Lernen durch Tun“.
Wir haben uns vor Ort mit dem Stadtteilmanagement und der Schule getroffen. Es war ein inspirierender Austausch, und wir bleiben fest im Gespräch darüber, wie wir diese Initiativen aus unserem Werkstattprojekt heraus aktiv unterstützen und dieses wunderbare Potenzial gemeinsam entfalten können.
Hintergrund: Soziale Landwirtschaft vs. Green Care
An diesem Beispiel wird der Unterschied zwischen dem in Deutschland etablierten Begriff der Sozialen Landwirtschaftund dem internationalen Konzept des Green Care besonders deutlich:
- Soziale Landwirtschaft bezieht sich primär auf Modelle, in denen die produktive, landwirtschaftliche Erzeugung eine tragende Rolle spielt.
- Green Care geht darüber hinaus. Bedeutende Ansätze können nämlich auch im städtischen Raum durch Gärtnereien, Naturpädagogik oder urbane Projekte entstehen. Hier stehen nicht die Produktion, sondern die sinnstiftende Begegnung sowie der Beitrag für Gesellschaft und Umwelt im Mittelpunkt. Green Care umfasst all diese Aspekte – als Sorge mit und für Mensch und Natur
